Mitmischen in der Profiküche

Inklusion im "tsvaipunktnul"

Von Markus Schönherr (BZ vom 14.12.2017)


Als Spülhilfe hat Steven Herweg im vergangenen Jahr angefangen. Jetzt belegt er Burger – und ist festangestellter Mitarbeiter im Restaurant „Tsvaipunktnul“. Foto: Schönherr

Lange bevor das Restaurant öffnet, herrscht Betrieb in der Küche. Zutaten werden aus der Kühlung geholt und an mehreren Stationen bereitgelegt. „Salate waschen, putzen, schneiden“ – so beschreibt Steven Herweg die ersten Handgriffe, die er jeden Tag gewissenhaft abarbeitet. Die Freude an dem Job ist am Gesicht des 20-Jährigen abzulesen, wenn er nur darüber spricht.

Dass der Weseker so selbstverständlich im Küchen-Team des „Tsvaipunktnul“ mitmischt, war vor Kurzem noch nicht absehbar. Steven besuchte in Gemen die Neumühlenschule, eine Förderschule für geistige Entwicklung. Die meisten seiner früheren Klassenkameraden arbeiten jetzt in einer Behindertenwerkstatt, erzählt Herweg. Ausprobiert hat er das auch mal und Deko-Artikel aus Holz angefertigt. „Ich war so schnell fertig, dass nach einer Stunde kein Material mehr da war“, berichtet er schmunzelnd.

Seine Lehrerin war es, die ihn schließlich auf die Idee brachte, es mal in einer Küche zu probieren. Und da der Sohn der Lehrerin zufällig Chef des „Tsvaipunktnul“ ist, war der Weg zu einem Praktikumsplatz schnell geebnet. Geholfen hat dabei auch der Integrationsfachdienst Borken-Coesfeld (IFD) des Deutschen Roten Kreuzes.

Zuerst machte Steven Herweg das, was jeder Küchen-Anfänger macht: Spülen. Inhaber und Küchenchef Jan Schepping merkte aber schnell, dass Herweg mehr drauf hat: „Er saugt Informationen auf und setzt sie genau um.“ Zum Spülen kam das Schneiden von Salaten, das Panieren von Schnitzeln, das Belegen der Burger und vieles andere hinzu. Aus dem Praktikum als Spülhilfe ist erst eine befristete Stelle mit Probezeit und nun eine unbefristete Anstellung als Küchenhilfe geworden. So ist der einstige Förderschüler im ersten Arbeitsmarkt angekommen.

Groß umstellen musste sich das Küchenteam nicht, berichtet Schepping. Wenn in der Küche mit viel Ironie gewitzelt wird, dann müssen die Köche das manchmal erklären. Ansonsten klappen die Absprachen mit Steven Herweg und das Teamwork reibungslos. „In unserem Team ist er ein vollwertiger und in allen Belangen respektierter, cooler Kollege“, sagt Schepping.

Für Steven Herweg ist die Vollzeitstelle natürlich mit viel Arbeit verbunden. An fünf Tagen in der Woche steht der 20-Jährige in der Regel bis 23 Uhr in der Küche unten in der Bucholtzvilla. Seine Lieblingsstation ist mittlerweile das Dessert. Herrencreme richtet er gerne an, erzählt er. Und nach Feierabend fährt Herweg nicht gleich nach Hause. Wenn die letzten Gäste gegangen sind, lässt das Restaurant-Team gemeinsam den Tag ausklingen. Neuerdings wird Uno gespielt. Auch da mischt Steven Herweg mit.

„Dessert mache ich am liebsten.“

Steven Herweg

„Steven ist für uns ein absoluter Glücksgriff.“

Küchenchef Jan Schepping